Großartige Grooves, einfallsreiche Instrumentalisten und zwei begnadete Frontsänger –die Band Seba Kaapstad hat bei ihrem Konzert in Ingolstadt allen genremäßig aufgeschlossenen Zuhörern viele wunderbare Momente beschert.

Ihren Stil beschreibt die multinationale Truppe aus Südafrika, Swasiland und Deutschland, die 2019 ihr erstes Album veröffentlicht hat, selbst als Neo-Soul. Live erlebt man einen Sound voller Kraft und Facetten, ein verwirrendes und betörendes Miteinander von Klangfarben, Beats und Rhythmen, das man gar nicht analysieren mag. Lieber möchte man sich einfach von der Wucht mitreißen lassen, genießen, wie die Bässe auf die Bauchdecke drücken und die Vocals die Ohren liebkosen.

Beginnt man aber doch, die Klänge zu sezieren, stößt man auf viel Bemerkenswertes. In der Albumversion sind die Songs von Seba Kaapstad fast symphonisch arrangiert. Live löste die Truppe die Tatsache, dass auf die Bühne im Diagonal nur ein kleines Ensemble passt, mit vielen elektronischen Instrumenten wie Synthesizern, einem Drum Pad oder Controllern mit bunt leuchtenden Tasten, die hauptsächlich Philip Scheibel bediente.Dann war da eindeutig Jazz, zum Beispiel in den Piano-Soli von Toni Farris, in der Kontrabass-Begleitung von Sebastian Schuster oder in der frischen Version von „New York, New York“, die mit Beatboxing (Philip Scheibel) und souligem Gesang aber auch andere Stil-Einflüsse enthielt.

Mit „Desaster“  zeigte das Ensemble, wie unkonventionell man ein Stück  über den Verlust eines lieben Menschen gestalten kann. Ein Intro mit filigranem Ticken von Schlagzeug-Becken und Drum-Computer,  weite Piano-Melodien, Zoe Modiga sang sanft, in sich gekehrt über „the precious times I miss“. Dann gewann der Song immer mehr an Kraft, bassiger Synthesizer, wildes, fast brachiales Drumset. Klischees sind nicht die Sache von Seba Kaapstad, lieber beschäftigen sie sich mit den Zwischentönen, den Zwischenfarben. Der Schmerz besteht bei ihnen nicht nur aus Trauer und Wut, sondern auch aus Zärtlichkeit und einer eigentümlichen Kraft. Ähnlich ideenreich ging es weiter, hier ein tanzbarer Groove, da eine Rap-Einlage von Zoe Modiga, ein ausgeklügeltes Solo der Drummerin Philo Tsoungui, ein hinreißendes Duett aus Piano und gestrichenem Kontrabass. Die beiden Sänger benutzten ihre Stimmen auch ohne Worte, ließen zweistimmige, rhythmische Silben in den Gesamtsound schmelzen.

Einen Ruhepunkt gab es gegen Ende mit dem Song „Hello“ – eine auch textlich spannende Innenschau über den Moment, in dem man sich verliebt. Wie viele Songs des Abends enthielt er Gesangspassagen, vor denen man am liebsten niederknien wollte. Das Duo Modiga und Manana hat alles, was es braucht – virtuose Gesangstechnik, Gefühl, Wandlungsfähigkeit, Leichtigkeit und etwas zu sagen. Man verließ den Ort mit einem Gefühl zwischen bezaubert und elektrisiert.

 

Text und Foto: Katrin Poese

Erschienen im Ressort Kultur des Donaukurier.