Ingolstadt – Mit Klassikern, Virtuosität und Anekdoten haben Martin Taylor und Ulf Wakenius im Bürgerhaus/Diagonal ihr Publikum an ihrem Schaffen als Jazzgitarristen teilhaben lassen. Ihr Duo-Programm „Great Guitar Night“ ermöglichte es, die beiden renommierten Musiker ganz pur zu erleben.

Für Taylor und Wakenius war das Ganze offenbar ein großer Spaß. Sie heizten sich gegenseitig mit Kommentaren an und erzählten Geschichten übereinander. Wie der Brite und der Schwede in einem Marketingvideo zu ihrem Programm sagen, seien sie sich auf Tour immer wieder begegnet und wollten schon lange einmal zusammen spielen. Sie hätten ein ähnliches Verständnis, sprächen die gleiche musikalische Sprache. Wer die beiden  live gesehen hat, kann das bis zu einem gewissen Punkt bestätigen. Und doch gab es bei ihrem Konzert in Ingolstadt Unterschiede.

Es war schon kurios, zwei der vermutlich besten zeitgenössischen Gitarristen auf den vorderen Plätzen direkt aufs Griffbrett zu schauen. Zu beobachten gab es da etwa, wie Taylor im „Blues For A Playboy“ mit einer unglaublichen Leichtigkeit seine linke Hand die Akkordsprünge beim Walking Bass meistern ließ – der 63-Jährige gilt als einer der bedeutendsten Fingerstyle-Gitarristen. Er spielte in seinen Solo-Stücken teils aberwitzige, komplexe Basslinien unter den Melodien – gleichzeitig, versteht sich. Das alles so gediegen, so mühelos, dass es eine Freude war, zuhören und zuschauen zu können. Berührend waren auch seine Eigenkompositionen, vor allem „True“, das schon viele Gitarristen aufgeführt und aufgenommen hätten, wie er stolz, aber unaufgeregt erzählte. Taylors Qualität lag in seiner Tiefe. Sein gefühlvoller Ton und seine Wertschätzung für Nuancen sorgten für eine ruhige Raffinesse.

Etwas lausbubenhafter präsentierte sich der 61-jährige Ulf Wakenius, dessen Lächeln oft unter dem schwarzen Baseballcap hervorblitzte. Er spielte mit Vorliebe mit Plektrum, etwas massiver, seine Soli waren effektheischender als die von Taylor. Wakenius beeindruckte mit Schlagtechniken, die den Klang ins Perkussive verschoben, ließ seine Zupfhand aufs Griffbrett wandern und Bässe spielen, legte ein unglaubliches Tempo hin. Er bewies auch Entertainer-Qualitäten, erzählte, dass Martin Taylor aus Idaho, USA angereist sei und jetzt an einem „airline cough“, einem Husten durch Flugzeug-Klimaanlage, leide. Als sein Partner die nach der langen Reise noch nicht ganz akklimatisierte Gitarre wiederholt stimmen musste, überbrückte er mit Musikerwitzen. Ganz ernst jedoch ehrte Wakenius den kürzlich verstorbenen bayerischen Musiker Helmut Nieberle – „he did a lot for jazz guitar“ – und widmete ihm ein Stück.

So ergab sich aus der Kombination dieser musikalischen Charaktere ein unterhaltsamer Abend mit Klassikern von Henry Mancinis „Two For The Road“ – bei dem Taylor von Audrey Hepburn träumt, wie er verriet – über Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ bis zu „Manha de Carnaval“. Die beiden Gitarristen foppten sich mit halsbrecherischen Solo-Duellen und zeigten viele Nuancen ihres technischen Könnens. Einzige Einschränkung: Manchmal hätte man sich gewünscht, die beiden hätten die Virtuosität zwischendurch gut sein lassen und mehr von den wunderbaren ruhigeren Momenten eingebaut – damit dieses geballte Können nicht gar so schnell vorbeirauscht.

Text und Foto: Katrin Poese

Dieser Text ist beim Donaukurier erschienen.

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