Wie ein Kunstwerk aus grafischen Mustern erstrecken sich verlassene Stuhlreihen und die elegant geschwungenen Logen vor Hanna-Elisabeth Müller: Die Sopranistin singt in den menschenleeren Saal der Bayerischen Staatsoper. Und doch sind Zehntausende dabei, wenn die Künstlerinnen und Künstler jeden Montag im Live-Stream musizieren und tanzen.

Das Münchener Opernhaus reagiert mit dem kostenlosen Angebot auf die Corona-Krise. Musiktheater ist jedoch zur Zeit nicht möglich – ein Orchester im Graben, einen Chor auf der Bühne zu versammeln, würde dem Seuchenschutz zuwiderlaufen. Das Haus setzt stattdessen auf kleine Ensembles: Klaviertrio, Kunstlieder, Solo-Tanz. Ein Pas de deux mit viel Körperkontakt lässt man zwei Mitglieder des Bayerischen Staatsballetts aufführen, die auch privat ein Paar sind.

Eine Weitwinkel-Ansicht von der Rückseite der Bühne aus mit dem prachtvollen, leeren Zuschauerraum im Hintergrund lässt die drei Musiker, die das Konzert am Montagabend beginnen, ganz verloren aussehen. Und doch entsteht während der Aufführung eine berührende Nähe: Eine Kamera lässt uns die halsbrecherischen Noten des Pianisten Dmitry Mayboroda mitlesen, als er den ersten Satz von Sergej Rachmaninoffs Trio élégiaque Nr. 1 in g-Moll spielt. Dann verfolgen wir die Regungen auf dem Gesicht der Geigerin Hanna Asieieva, lassen den Blick wieder schweifen in die Weite des Saals und kehren zurück, um die Bogenarbeit von Cellistin Darima Tcyrempilova zu beobachten.

Musik und Filmkunst verschmelzen hier. Und auch die Tonqualität bereitet Genuss: Ein guter Kopfhörer, portable Boxen oder eine Verbindung mit der Stereo-Anlage sind zu empfehlen.

Auch an den weiteren Montagen während der Corona-Krise bietet das Haus um 20.15 Uhr einen Live-Stream an. Als Video on Demand gibt es außerdem die bisherigen Montagskonzerte sowie ältere Aufzeichnungen von Operproduktionen (sie stehen jwewils 14 Tage lang zur Verfügung). Das alles ist während der momentanen Ausnahmesituation kostenlos.

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