Webinare haben – nicht nur während der Corona-Pandemie – viele Vorteile: Sie sind günstig, man kann ortsunabhängig teilnehmen und braucht nicht viel Ausrüstung. Doch gerade für Dozent:innen und die Veranstalter-Organisation liegt die Tücke im Detail. 10 Tipps, um häufige Probleme zu umgehen.

 

1 Didaktik und Methoden gut planen

Webinare wirken wie ein Vergrößerungsglas für alles, was didaktisch nicht zu 100% durchdacht ist. Das betrifft vor allem Elemente, bei denen es um Interaktion mit den Teilnehmer:innen geht. Wenn diese Methoden nicht gut anmoderiert oder nicht gut auf ein Online-Seminar angepasst sind, laufen sie eher ins Leere als in einem Live-Seminar. Meine Vermutung ist: Es liegt an der Distanz. Im Live-Seminar retten manchmal die Gruppendynamik oder ein Wohlwollen der Teilnehmer:innen gegenüber den Referent:innen die ein oder andere nicht ideale Situation: Jemand „erbarmt sich“. Dieses Phänomen ist in Webinaren viel schwächer ausgeprägt. Kleine didaktische Unzulänglichkeiten fallen dort also viel mehr auf.

Tipp: Beteiligungs-Methoden für Webinare vorher gut durchdenken und einen Plan B für den Fall bereithalten, dass es nicht funktioniert.

 

2 Mit Passivität rechnen

Webinare waren bis vor Kurzem nicht überall üblich. Und wenn, dann wurden sie oft verwendet, um einen Vortrag über das Internet zu übertragen. Maximal konnte man dabei am Ende Fragen stellen. Bei vielen Webinar-Softwares sind die Teilnehmer:innen ohnehin in einer Art Zuhörer-Modus, in dem sie stummgeschaltet sind und kein Video von ihnen übertragen wird. Weil das bis vor Kurzem die Regel war, haben viele Teilnehmer:innen in Webinaren die Erwartung, dass sie sich das einfach mal anhören können, sind also in einer eher passiven „Berieselungs-Haltung“.

Tipp: Wenn man interaktive Workshop-Methoden in sein Webinar einbauen möchte, sollte man diese Passivität einkalkulieren. Am besten kündigt man schon in der Kursbeschreibung an, dass es sich um ein interaktives Format handelt, dass es Übungen oder Diskussion gibt. Dann werden die Teilnehmer:innen nicht davon überrascht.

 

3 Feedback-Methoden einbauen

Wie sehr man sich in Live-Workshops und -Seminaren auf das nonverbale Feedback der Teilnehmer:innen verlässt, wird einem erst bewusst, wenn man nicht darauf zugreifen kann. Oft haben in Webinaren nicht alle Teilnehmer:innen ihre Kamera angeschaltet. Im schlimmsten Fall schaut man als Referentin also auf schwarze Kacheln, die mit Namen beschriftet sind. Und selbst, wenn die Webcams laufen, lassen sich Körpersprache und Gesichtsausdrücke schwerer ablesen als im echten Seminarraum. Es ist also schwierig herauszufinden, ob das Tempo passt, ob Teilnehmer:innen dabei sind oder sich langweilen, ob Dinge vielleicht unklar geblieben sind.

Tipp: Im Zweifel eine schnelle Feedback-Runde einbauen: Die Teilnehmer:innen etwas in den Chat schreiben lassen, Emojis zeigen lassen oder eine kurze Umfrage einblenden (das ist in vielen Webinar-Softwares möglich). Achtung: Umfragen muss man ggf. vor dem Webinar in der Software anlegen.

 

4 Vorsicht, Multitasking!

Vielleicht sind Sie der Meinung, Sie beherrschen Multitasking ganz gut? Spätestens in der Webinar-Situation stellt sich Multitasking als Illusion heraus. Die Neurowissenschaft geht inzwischen davon aus, dass Multitasking nur bei hochautomatisierten Tätigkeiten möglich ist (z.B. Auto fahren und Musik hören). Sobald Sie Ihre volle Aufmerksamkeit für etwas benötigen, klappt es aber nicht mehr. Einen Vortrag zu halten, ist eine solche Situation. Im Webinar sind die Anforderungen an Referent:innen hoch: Sie müssen sprechen, die Zeit im Auge behalten, die Software und vielleicht noch eine Powerpoint-Präsentation bedienen.

Tipp: Versuchen Sie, die Zeit gut vorauszuplanen und sich vorher mit der Software auseinanderzusetzen, damit Sie sich dann möglichst gut auf Ihren Vortrag konzentrieren können.

 

5 Co-Moderation einbauen

Um die in Tipp 4 beschriebene Überforderung durch Multitasking zu vermeiden, gibt es eine einfache Lösung: Sorgen Sie dafür, dass Sie eine:n Co-Moderator:in haben. Oft kann das bei Kooperationen jemand von Veranstalterseite übernehmen. Das hat folgende Vorteile: Der/die Co-Moderatori:in kann die Fragen der Teilnehmer:innen im Chat verfolgen, kann die Zeit im Auge behalten und z.B. Begrüßung und Verabschiedung moderieren. So sind Referent:innen etwas entlastet und können sich auf die Inhalte konzentrieren.

 

 

Foto: bongkarn thanyakij von Pexels

Category: Blog