Ein kleiner Trost für alle, die Konzerte, Museumsbesuche und Ausstellungen vermissen: Diese Podcasts behandeln Themen mit Kulturbezug. Auch einige Häuser der Kunst, Musik oder der Wissenschaft produzieren inzwischen ihre eigenen Audio- und Videoserien. In einer Serie im DONAUKURIER empfehle ich regelmäßig besonders gelungene Reihen – hier sind sie im Überblick.

 

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Alben für die Ewigkeit

Warum Abba-Songs keineswegs banal sind, warum Bass und Schlagzeug über die Musik von Deep Purple bestimmen und wie Amy Winehouse zum Retro-Soul fand – all das lernt in Alben für die Ewigkeit, einem Podcast von Stephan Kleiber und Martin Busch. Die beiden Radiojournalisten arbeiten für den Privatsender „Radio 91.2 – Mein Dortmund“. In ihrem gemeinsamen Projekt beschäftigen sie sich alle zwei Wochen mit zeitlosen Klassikern aus Rock und Pop. Man lernt etwas über die Geschichte hinter den Alben, über Aufnahmetechnik und autobiographische Bezüge, immer garniert mit passenden und liebevoll eingebetteten Hörbeispielen. Ein Podcast für Musik-Enthusiasten und Popgeschichte-Interessierte.

 

 

 

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Finding van Gogh

Ein Gemälde, das auf dem Kunstmarkt Preisrekorde gebrochen hat, ein Stück deutsche Geschichte und das letzte Porträt, das Vincent van Gogh in seinem kurzen Leben gemalt hat – all das ist „das Bildnis des Dr. Gachet“ von 1890. Das Frankfurter Städel Museum widmet der Suche nach dem seit 1990 verschollenen Werk einen fünfteiligen Podcast. Das Gemälde gehörte einst zur Sammlung des Frankfurter Städel Museums – bis die Nationalsozialisten es zu entarteter Kunst erklärten und konfiszierten. Später hat das Werk mehrfach den Besitzer gewechselt. Der aktuelle Eigentümer ist anonym. In der Produktion nimmt der Journalist Johannes Nichelmann sein Publikum mit nach London, New York und Auvers-sur-Oise. Dort untersucht er die Schritte des Kunst-Krimis um „Dr. Gachet“, den Mythos um van Gogh und die Frage, warum das Gemälde ein Meisterwerk ist.

 

 

 

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Beethoven – die Hörbiografie

Wie könnte man ein Komponistenleben besser erzählen als mit Audios? Der Radiosender BR-Klassik bietet mit seiner Reihe die Möglichkeit, Musikgrößen ganz nahe zu kommen – die Hörbiografie über Ludwig van Beethoven gab es zum Jubiläumsjahr kostenlos als Podcast. Die Produktion ist aufwändig: Neben einem Team aus Technikern, Regisseur und Sprechern ist als prominente Erzähler-Stimme der Schauspieler Udo-Wachtveitl beteiligt. Autor der rund halbstündigen Folgen ist der Musikwissenschaftler Jörg Handstein. Er ist Urheber von inzwischen zehn Hörbiografie-Ausgaben von Händel bis Wagner. Die Beethoven-Produktion von 2015 ist ein Gesamtkunstwerk: Ausschnitte aus Briefen, Zitate von Zeitgenossen, Musikbeispiele, Tagebucheinträge – alles ist verwoben zu einer großen Erzählung. Dabei wird der Komponist aber nicht zum Genie überhöht, sondern man lernt den Menschen Beethoven mit allen Seiten kennen, die historische Quellen so hergeben. Und man erfährt genau, was seine Musik so besonders macht.

 

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Tracks & Traces

Wie funktionieren Pop- und Rocksongs? Das lernt man im Podcast „Tracks and Traces – ein Song, sein Sound und seine Geschichte“ – ein Format, das nah an der Musik und nah an den Menschen ist. Deutschsprachige Musiker:innen nehmen darin ihre Werke Spur für Spur auseinander und erzählen dabei von Kämpfen im Studio, einer tristen Früh-Pubertät in Niedersachsen oder der Angst, etwas zu verpassen. Redakteur und Musikchef Gregor Schenk fördert in den Gesprächen Geschichten zutage, die einen die Songs mit anderen Ohren hören lassen. Alle Gäste bringen die Einzelspuren ihrer Aufnahmen und Demo-Tapes mit. So ist man live dabei, wenn die Entstehung der Songs nachvollzogen wird. Die rund halbstündigen Audios geben so auf unterhaltsame Weise Einblicke in Dinge, die man als Musikhörer:in sonst nicht mitbekommt.

 

 

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Klassiker der Literatur als Hörbuch

Bekannte Werke, gelesen in voller Länge von Profi-Sprecher:innen, und das kostenlos – dieses Angebot macht die Serie „Lies mir was vor“ der Redaktion von WDR 5 Spezial. Bislang sechs Podcast-Reihen – die Werke wurden dazu in Episoden aufgeteilt – stehen zum Anhören und Herunterladen zur Verfügung. Den Anfang machte der viktorianische Roman „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë. Dass dieses Buch mehr ist als eine historische Romanze, erfährt man in der ergänzenden Gesprächssendung zur Entstehungsgeschichte und Bedeutung des Werkes. Auch Brontës Schwester Emily schrieb – und zwar den schaurigen Liebesroman „Sturmhöhe“, den es ebenfalls als WDR-Hörbuch gibt. Ein weiterer viktorianischer Klassiker ist „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen – über den man lernt, dass er ganz zu Unrecht als kitschig verschrien ist. Mit einer unglücklichen Frauen-Figur befasst sich „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. Wer kürzere Formate mag, wird bei Stefan Zweigs „Schachnovelle“ oder Geschichten von Charles Dickens fündig.

 

 

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TEDTalks Kunst

Die frei im Internet zugänglichen TEDTalks sind ein weltweit beliebtes Format der Wissensvermittlung mit Millionen von Abrufen. Hervorgegangen sind die Videos aus der kalifornischen Innovations-Konferenz Technology, Entertainment, Design. Die maximal 18-minütigen Redebeiträge interessanter Persönlichkeiten sind zu einem großen Archiv angewachsen. Für Kulturinteressierte bietet TED Conferences einen Auswahl-Service an: Im Podcast „TEDTalks Kunst“ findet man passende Beiträge zu Kunst, Literatur, Musik und Design. Die thematische Vielfalt ist riesig: Der Kurator Luke Syson erklärt, wie sehr das Konzept Kitsch vom Geschmack der Zeit abhängt. Der Literaturkritiker Stephen Burt beleuchtet, wofür Menschen Gedichte brauchen. Und der Bildhauer Jason deCaires Taylor berichtet, wie der Ozean Skulpturen verändert, die er im Meer versenkt hat. Diese ungewöhnlichen Geschichten machen schnell süchtig. Die gute Nachricht: Der Podcast zählt bislang über 100 Beiträge.

 

 

Titel-Foto: Skyler H. auf Pixabay

Category: Kultur